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AG 15: Information Structure and its Role in Non-Typical Environments

Raum NG 2.731 (Nebengebäude, 2. Obergeschoss)
Mittwoch, 07.03.2012, 15.30 bis 16.00 Uhr

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Christian Fortmann
Universität Tübingen
Differenz-Fokus

Höhle (1992) verweist auf ein Phänomen u.a. bei Temporal-Fokus, das er Differenz-Fokus nennt.
(1) a. Theo wird rasiert.
b. (Nein) er WURde rasiert.
c. (Nein) *er WIRD rasiert werden.
d. (Nein) er wird rasiert WERden.
e. (Nein) er IST rasiert worden.
I.d.R. ist der – akzentuierte – Fokusexponent im Fokus eingeschlossen; bei Temporal-Fokus in die finite Verbform (cf. (1b)). Bei gleichlautenden Finita (1a) und (1c/d) wird der Fokusexponent (im Futur) auf das Passiv-Auxiliar verschoben.
Die Notwendigkeit zur Fokusexponenten-Verschiebung besteht nur im Kontext zweier Sätze – nicht aufgrund der inneren Struktur eines Satzes. Sie erwächst aus der Formidentität unterschiedlich interpretierter Ausdrücke – daher nicht in (2).
(2) a. Theo wurde rasiert.
b. (Nein) er WIRD rasiert werden.
Die Notwendigkeit der Verschiebung folgt nicht daraus, dass wird in (1a) nicht eindeutig als präsentisch und in (1c/d) nicht eindeutig als futurisch bestimmt wäre, die Formen werden je innerhalb der Finitum-Projektion desambiguiert – anders als in:
(3) *du sollst nicht zur WECHSELBANK sondern du sollst zur PARKBANK gehen.
Ambiguitätsvermeidung (Musan 2001) ist kein Grund; ebenso wenig allein die periphrastische Form des Futurs, periphrastisches Perfekt erlaubt Akzentuierung des Finitums (1e). Andererseits rekurriert die Fokus-Interpretation gewöhnlich auf die Bedeutung eines Ausdrucks, nicht die lexikalische Form:
(4) a. es hat ANgefangen zu regnen – nicht AUFgehört.
b. es hat beGONen zu regnen – nicht AUFgehört.
Neben einer deskriptiven Auslotung des Phänomenbereichs (er schließt auch lexikalische Varianten von haben ein) soll eine Erklärung entwickelt werden, der zufolge der Exponent eines (kontrastiven) Fokus nicht formidentisch mit dem alternativen Kontrast-Ausdruck sein kann.

Höhle, Tilman (1992): Über VERUM-Fokus im Deutschen. In: Jacobs, Joachim (Hg.): Informationsstruktur und Grammatik. Opladen: Westdeutscher Verlag, 112–141.

Musan, Renate (2001): The Present Perfect in German: Outline of its Semantic Composition. In: NLLT 19, 355–401.




letztes Update: 18.01.2012
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