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AG 1: Sprachwandel und Lebensalter / Age and language change

Raum 0.251 (Untergeschoss)
Donnerstag, 8.3.2012, 9:00 – 10:00 Uhr

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Lars Erik Zeige
Humboldt-Universität zu Berlin
Diffusion und Lebensalter

Die Rolle des Alters im sprachlichen Wandel wurde bisher vor allem mit kognitiven (Erwerb/Transmission, kritische Phase etc.) und makrosoziologischen Modellen (Gruppe, Kohorte; alters- oder generationenspezifischer Gebrauch, Age-grading etc.) in Zusammenhang gebracht (vgl. im Überblick Eckert 1997). Der Vortrag geht nun der Frage nach, ob ›Alter‹ eine relevante Kategorie für sprachliche Diffusionsprozesse, also die Verbreitung von Innovationen durch Annahme oder Ablehnung in der Interaktion, darstellt oder nicht.
Der Vortrag wird zunächst die kurze Diskussion in Labov 2001: 365f. ausweiten, inwieweit die allgemeine (und disziplingeschichtlich eher soziologische) Diffusionstheorie und Diffusionsmodelle sprachlicher Merkmale vergleichbar sind. Aus der elaborierteren allgemeinen Diffusionstheorie (vgl. etwa Rogers 2003) wird dann die Rolle des Alters in Diffusionsprozessen theoretisch bestimmt. Hier wird zu erläutern sein, warum dort ›Alter‹ für Diffusionsvariablen wie Innovativeness, Adopter categories, Change agent oder Netzwerkstrukturen keine Bedeutung beigemessen wird. Vor diesem Hintergrund werden dann die Erkenntnisse zu ›Alter‹ aus exemplarischen sprachwissenschaftlichen Diffusionsstudien eingeordnet, wobei sich die Erwartungen – im Groben – bestätigen.
Allgemeine wie sprachliche Diffusionstheorie begründen jedoch die fehlende Relevanz von Alter nicht. Der Vortrag stellt hierfür eine Neuinterpretation vor, die bewusst von handlungstheoretischen Positionen (vgl. etwa Kotsinas 1997) absieht und damit die quantitative soziodemografische Variable ›Alter‹ anstelle schwer evaluierbarer Konzepte wie ›Altersidentität‹ o.ä. betrachtet:
Annahme und Ablehnung von Innovationen stellen weder unbewusstes Handeln noch bewusste Entscheidungen, sondern kontingente Selektionen eines Kommunikationssystems dar, die die Fortsetzung von Kommunikation sichern (Zeige 2011). Im Vortrag wird begründet, warum ›Alter‹ hierbei keine Funktion zukommt.
Durch die hergeleitete Nicht-Relevanz kann die sprachwandeltheoretische Betrachtung von ›Alter‹ begründet auf die kognitiven und makrosoziologischen Aspekte beschränkt werden.

Eckert, Penelope (1997): Age as a sociolinguistic variable. In: Coulmas, Florian (Hg.): The handbook of sociolinguistics. Oxford: Blackwell, 151–167.

Kotsinas, Ulla-Britt (1997): Young people’s language. Norm, variation and language change. In: Falk, Johan u.a. (Hg.): Norm, variation and change in language. Stockholm: Almqvist & Wiksell (Studier i modern språkvetenskap, N.S., 11), 109–132.

Labov, William (2001): Principles of linguistic change, Bd. 2: Social factors. Malden, Mass.: Blackwell.

Rogers, Everett M. (52003): Diffusion of innovations. New York u.a.: Free Press. Zeige, Lars Erik (2011): Sprachwandel und soziale Systeme. Hildesheim: Olms (Germanistische Linguistik Monographien 27).




letztes Update: 21.12.2011
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